Wer schreit hat selten Recht - ein kritischer Blick auf die Finanzpornografie
Finanzpornografie möchte dich zum Handeln bewegen. Ich werfe einen kritischen Blick darauf, beleuchte Hintergründe und zeige dir, wie du am besten reagierst.

FelixDu kennst das Gefühl. Kurz hineinschauen. Nur einen Blick riskieren. Und plötzlich bist du mittendrin. Ein wenig beschämt. Aber trotzdem zufrieden.
Nicht, was du jetzt denkst. Wir sind hier auf einem Finanzblog 🤦♂️
„Droht ein Crash?" „Bitcoin bald auf 100.000 Dollar?" „Mit diesen Aktien können Sie ihr Geld verdoppeln!"
Es sind reißerische Aussagen wie diese, die deine Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollen. Und es funktioniert. Der offizielle Begriff dafür: Finanzpornografie.
Finanzpornografie - den Begriff gibt es wirklich?
Ja, dieser Begriff wird von Fachleuten tatsächlich verwendet – für Inhalte, die nicht informieren wollen, sondern einen kleinen unbewussten Teil unseres Gehirns kitzeln. Sie sollen Aufmerksamkeit erregen und jenen Teil von uns ansprechen, der nicht rational handelt. Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut, Medien konkurrieren darum. Wer am lautesten schreit, gewinnt. Nicht, wer dich am besten informiert.
Dazu spielen mehrere psychologische Phänomene den Erstellern von Finanzpornografie in die Karten: Verlustaversion (Loss Aversion), Gier und FOMO – Fear of Missing Out. Finanzpornografie nutzt diese psychologischen Phänomene gezielt aus. Je nach Marktlage wechselt sie einfach das Instrument.
Angst vor Verlusten
Die Verlustaversion spricht deine Angst vor Verlusten an. Kahneman und Tversky haben in der Prospect Theory (Erwartungstheorie) nachgewiesen, dass Verluste unser Gehirn etwa doppelt so stark treffen wie gleichwertige Gewinne. Hier werden Risiken überbetont, deren Eintrittswahrscheinlichkeit niemand kennt. Wer wirklich den nächsten Crash voraussagen kann, hat in der Regel einfach eins: Glück. Und jeder, der einen Crash voraussagt, hat statistisch gesehen irgendwann recht – denn egal wann wir von einem möglichen Crash reden, irgendwann kommt einer.
Schnell reich werden
Gier und FOMO - die andere Seite. Hier werden keine Risiken, sondern Chancen und mögliche Profite überbetont. Der Drang nach schnellem finanziellem Erfolg oder die Angst, eine vermeintlich gute oder einmalige Gelegenheit zu verpassen. Einmalige oder dauerhafte Überrenditen locken, obwohl die Wahrscheinlichkeit, den Markt zu schlagen, für die allermeisten gering ist - das zeigen Untersuchungen immer wieder.
Diese psychologischen Mechanismen sind Bestandteil der Behavioral-Finance-Forschung, die sich mit der Psychologie der Finanzmarktteilnehmer beschäftigt und untersucht, wie Finanzentscheidungen wirklich zustande kommen.
Was bedeutet das für dich?
Finanzpornografie lebt von deiner Aufmerksamkeit. Von der Tatsache, dass wir nicht immer rational handeln. Emotionen beeinflussen dein Verhalten - auch dein finanzielles. Wenn du dir dessen bewusst bist, kannst du derartige Inhalte besser einordnen.
Das Geschrei und Getöse soll dich zum Handeln bewegen. Aber bedenke: Hin und her macht Taschen leer - so lautet eine alte Börsenweisheit. Leite deine Anlageentscheidungen daher nicht von vermeintlich guten Tipps aus entsprechenden Magazinen oder Webseiten ab.
Perspektive Finanzen möchte übrigens genau das Gegenteil machen: Finanzen ganzheitlich betrachten. Analysieren, ohne auf das Geschrei der Märkte oder anderer Blogs zu hören. Einen Schritt zurückgehen und schauen, was sich hinter dem Lärm verbirgt. Ich freue mich, wenn du mich dabei begleitest.





