Behavioral Finance: Wenn wir uns selbst im Weg stehen

Die Behavioral-Finance-Forschung zeigt: Wir sind keine ausschließlich rational handelnde Menschen. Was das für deine Finanzentscheidungen bedeutet, erfährst du hier.

Behavioral Finance: Wenn wir uns selbst im Weg stehen

Der berühmte Unterschied zwischen Theorie und Praxis: Du weißt, dass du früh mit dem Sparen und Investieren anfangen solltest. Trotzdem schiebst du es auf. Du stellst einen Finanzplan auf und folgst ihm nicht. Du weißt, dass Panikverkäufe bei einem Kurseinbruch schaden. Trotzdem spürst du den Drang, zu verkaufen. 

Ich kenne das. Es ist kein Versagen, keine Dummheit. Es ist schlicht und einfach menschlich.

Wenn Rationalität an Grenzen stößt

In der klassischen Wirtschaftslehre ist man lange von dem Idealbild eines rational handelnden Menschen, eines Homo Oeconomicus, ausgegangen. Der Homo Oeconomicus wägt Kosten und Nutzen ab, kennt alle verfügbaren Informationen und trifft darauf basierend rationale Entscheidungen. Das ist ein schönes Bild - nur leider weit entfernt von der Realität.

Behavioral Finance - zu deutsch Verhaltensökonomie - untersucht genau diese Lücke. Das Feld verbindet Psychologie mit Ökonomie und stellt sich die Frage, wie Menschen wirklich entscheiden.

Mentale Abkürzungen

Unser Gehirn hat gelernt, möglichst effizient zu arbeiten. Dafür nutzt es unter anderem sogenannte Heuristiken - Faustregeln, die schnelle Entscheidungen ermöglichen. Was für manche Entscheidungen gut ist, kann im finanziellen Kontext schnell teuer werden. Wir fürchten uns vor Verlusten mehr, als wir uns über Gewinne freuen. Wir überschätzen unsere eigene Urteilsfähigkeit. 

Finanzielle Intelligenz

Gute Finanzentscheidungen bestehen im Wesentlichen aus zwei Dingen, in denen unser Gehirn leider sehr schlecht ist: Rationale Entscheidungen von Emotionen zu trennen und das Berücksichtigen der langfristigen Perspektive. Geld bedeutet Sicherheit, Status und für einige Menschen auch Selbstwert - das macht es emotional. Zugleich liegen die Auswirkungen von heute getroffenen finanziellen Entscheidungen oft Jahre oder Jahrzehnte in der Zukunft - was es für uns abstrakt und schwer zu greifen macht. Kein Wunder also, dass wir uns häufig selbst im Weg stehen. 

Fazit

Was wir gelernt haben: Wissen allein reicht nicht. Wir können unzählige Fachbücher lesen, uns von einem Profi beraten lassen und trotzdem unvernünftige Entscheidungen treffen. Dieser Blog soll helfen, eigene Denkmuster zu verstehen und zu durchbrechen. Du hast Fragen oder möchtest ein Thema in diesem Blog erklärt haben? Dann schreib mir gerne eine Mail 😊 In der Zwischenzeit wünsche ich dir viel Spaß auf meinem Blog. 

 

Häufig gestellte Fragen

Was ist Behavioral Finance?

Behavioral Finance verbindet Wirtschaftswissenschaften mit Psychologie. Das Forschungsfeld untersucht, wie Menschen tatsächlich finanzielle Entscheidungen treffen - entgegen zu den idealisierten Annahmen klassischer Ökonomie. Begründet wurde es im Wesentlichen durch Daniel Kahnemann und Amos Tversky. Kahnemann erhielt 2002 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Forschungen.

Was sind Heuristiken und Biases?

Heuristiken sind mentale Abkürzungen, die unser Gehirn nutzt, um schnelle Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen können hilfreich sein. Oder aber zu systematischen Fehlern, sogenannten Biases führen. Beispiel gefällig? Die Verfügbarkeitsheuristik lässt uns Risiken überschätzen, über die häufig berichtet wird, auch wenn sie statistisch selten sind.

Für wen ist Behavioral Finance relevant?

Die Erkenntnisse der Behavioral-Finance-Forschung betreffen uns alle: Sparen, Anlegen, Ausgeben. Überall, wo Geld und Psyche aufeinandertreffen, spielen die gleichen Muster eine Rolle.